Pflege zukunftsfest denken


Der Landkreis Kulmbach setzt mit seiner integrierten Sozialraumplanung bayernweit Maßstäbe für eine zukunftsfeste Pflege im demografischen Wandel. Beim landesweiten Austauschtreffen stellte er seinen vernetzten Ansatz vor, der Pflege, Gesundheit und Sozialplanung wirkungsvoll zusammenführt.
Der demografische Wandel stellt Kommunen vor wachsende Herausforderungen – besonders in der Pflege. Während die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt, verschärft sich gleichzeitig der Fachkräftemangel. Um auch künftig eine verlässliche Versorgung sicherzustellen, braucht es vorausschauende, strategische und gut abgestimmte Konzepte. Der Landkreis Kulmbach geht hier einen beispielhaften Weg und macht mit seiner integrierten Sozialraumplanung bayernweit auf sich aufmerksam.
Austausch auf Landesebene: Kulmbach als Praxisbeispiel
Diese Vorreiterrolle wurde beim zweiten bayernweiten Austauschtreffen für Sozialplanende deutlich, das kürzlich im Bayerischen Landesamt für Statistik stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, innovative kommunale Ansätze sichtbar zu machen und den fachlichen Austausch auf Landesebene zu stärken. Der Landkreis Kulmbach präsentierte sich dabei als positives Praxisbeispiel für eine zukunftsorientierte Pflegestrukturplanung.
Integrierte Sozialraumplanung statt Insellösungen
Im Landkreis Kulmbach ist die Pflegestrukturplanung im Fachbereich Integrierte Sozialraumplanung angesiedelt und eng mit der Gesundheitsregionplus verknüpft. Dieser Ansatz verfolgt das Ziel, Doppelstrukturen zu vermeiden und vorhandene Ressourcen zu bündeln. Planungen, Berichte sowie Zahlen, Daten und Fakten werden zusammengeführt, um Synergien gezielt zu nutzen und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Seniorenpolitisches Gesamtkonzept als zentraler Baustein
Ein zentraler Baustein ist die Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes, das auf bestehenden Konzepten und dem aktuellen Gesundheitsbericht aufbaut. Unter der Federführung von Annekatrin Tauer, Stabsstellenleitung für Gleichstellung, Integrierte Sozialraumplanung und Gesundheitsregionplus, werden diese Themen strategisch weiterentwickelt und eng miteinander verzahnt.
Vortrag auf bayerischer Ebene: Vernetzung stärkt Qualität
Annekatrin Tauer war beim Austauschtreffen als Referentin eingeladen und stellte den Kulmbacher Ansatz Fachkolleginnen und -kollegen aus ganz Bayern vor. Sie zeigte auf, wie integrierte Sozialraumplanung durch partizipative Verfahren die Zusammenarbeit vor Ort stärkt und nachhaltige Netzwerke schafft.
„Für uns im Landkreis Kulmbach ist eine enge Abstimmung vor Ort die Grundlage für eine tragfähige und zukunftsgerechte Pflegestruktur. Genauso wichtig ist jedoch der bayernweite und sektorübergreifende Austausch: Er eröffnet neue Perspektiven, setzt wertvolle Impulse und ermöglicht es, voneinander zu lernen. Nur so können passgenaue Konzepte entstehen, die wirklich zu den regionalen Strukturen passen und langfristig wirken“, betont Annekatrin Tauer.
Wissenschaft und Praxis im Dialog
Ergänzt wurde der Praxisbericht durch einen wissenschaftlichen Beitrag von Prof. Dr. Dorit Sing von der Katholischen Stiftungshochschule München, Begründerin der Integrierten Sozialraumplanung. Sie ordnete das Konzept theoretisch ein und beleuchtete dessen Weiterentwicklung in Bayern. Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis ermöglichte den Teilnehmenden eine vertiefte Auseinandersetzung mit kommunalen Planungsprozessen.
Landrat: Pflege als zentraler Zukunftsbaustein
Auch Landrat Klaus Peter Söllner unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes für den Landkreis:
„Wir stehen vor enormen Herausforderungen. Wir legen unseren Fokus hierauf und tun alles, um die pflegerische Versorgung auch langfristig sicherzustellen. Die enge Verzahnung von Sozialplanung, Gesundheitsberichterstattung und Pflegestrukturplanung ist für uns ein zentraler Zukunftsbaustein. Mit der integrierten Sozialraumplanung und der Federführung durch Annekatrin Tauer ist der Landkreis Kulmbach hier sehr gut aufgestellt.“
Nächste Schritte: Workshops und konkrete Maßnahmen
Mit der Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes ist der Landkreis Kulmbach nun in eine neue Arbeitsphase eingetreten. Bereits Ende Januar finden im Landratsamt intensive Workshops mit Expertinnen und Experten statt. Gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Pflege, Gesundheit, Sozialwesen, Kommunen und Zivilgesellschaft sollen konkrete Bedarfe, Herausforderungen und Entwicklungsansätze erarbeitet werden.
Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die weiteren Planungen ein. Ziel ist eine datenbasierte, regional verankerte und passgenaue Weiterentwicklung der Pflegestrukturen – damit der Landkreis Kulmbach auch künftig gut aufgestellt ist, um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen.
Fotos: Landesamt für Statistik (LfStat)