Neue Impulse für die Kultur
Lukas Alois Roth ist seit Anfang Oktober 2026 für den Fachbereich Kultur im Sachgebiet Kreisentwicklung des Landkreises Kulmbach zuständig. Im Interview verrät er uns, was für ihn Kultur ist und wie er neue Impulse in diesen Bereich bringen möchte.
Kultur ist weit mehr als ein Konzert, eine Ausstellung oder ein Theaterabend. Sie bringt Menschen zusammen, schafft Identität und macht eine Region lebenswert. Mit diesen Überzeugungen ist Lukas Alois Roth Anfang Oktober 2026 in seine neue Aufgabe im Sachgebiet Kreisentwicklung des Landkreises Kulmbach gestartet.
Der gebürtige Kulmbacher hat am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium sein Abitur abgelegt und engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für die Kultur in der Region. Nach seiner Ausbildung zum staatlich geprüften Ensembleleiter an der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach studierte er an der Hochschule für Musik Dresden Lehramt Musik an Gymnasien sowie Musikpraxis und Dirigieren. 2026 schloss er dort sein Masterstudium mit künstlerischem Schwerpunkt Chorleitung ab. Neben seiner musikalischen Ausbildung sammelte er umfangreiche praktische Erfahrungen in der Organisation und künstlerischen Leitung verschiedenster Kulturprojekte. Im Interview spricht er über seinen bisherigen Weg, die Chancen der regionalen Kulturlandschaft und seine Pläne für die Zukunft.
Lukas, du bist in Kulmbach aufgewachsen und engagierst dich seit vielen Jahren für die Kultur in unserer Region. Was reizt dich daran, deine Erfahrungen und Ideen nun in die Kulturentwicklung des gesamten Landkreises einzubringen?
Kultur in all ihren Facetten begeistert mich schon seit meiner Jugend. Sie schafft Begegnungen, eröffnet neue Perspektiven und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade im ländlichen Raum kann sie viel bewegen: Sie bringt Menschen und Generationen zusammen, schafft Identität und trägt dazu bei, dass wir uns mit unserer Heimat verbunden fühlen. Ich möchte helfen, diese Potenziale im Landkreis Kulmbach noch stärker sichtbar und erlebbar zu machen.
Du hast in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Kulturprojekte wie zum Beispiel ‚Musik verbindet – Das Benefizprojekt Kulmbach‘ auf die Beine gestellt. Was macht dieses Projekt für dich so besonders?
Mein kulturelles Engagement hier begann 2013 mit „Musik verbindet – Das Benefizprojekt Kulmbach“. Was damals als Konzertprojekt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen startete, ist inzwischen zu einer festen Größe geworden. Als künstlerischer Leiter und Organisator begleite ich das Projekt bis heute. Mittlerweile konnten wir mit unseren Konzerten mehr als 150.000 Euro für wohltätige Zwecke sammeln. Das zeigt mir immer wieder, was möglich ist, wenn Menschen ihre Fähigkeiten und ihre Begeisterung für eine gemeinsame Sache einsetzen.
Aus dem Engagement ist im Laufe der Jahre noch einiges mehr entstanden. Welche Projekte liegen dir besonders am Herzen?
Neben „Musik verbindet“ durfte ich verschiedene weitere Projekte und Ensembles aufbauen. Dazu gehören der Kammerchor ExSilentio, der sich der A-cappella-Musik des 20. und 21. Jahrhunderts widmet, und das Orchester MainSymphonics, das junge Profimusikerinnen und Profimusiker zusammenbringt. Mit dem Verein Kunstwert – Wir machen Kultur e. V. entwickeln wir spartenübergreifende Kulturprojekte. Außerdem arbeite ich gemeinsam mit der Gemeinde Mainleus an „Klang im Kesselhaus“, einem Kulturprojekt im Zusammenhang mit der Entwicklung des ehemaligen Spinnereigeländes. Diese unterschiedlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie vielfältig Kulturarbeit sein kann – und wie wichtig es ist, gute Ideen gemeinsam mit anderen in die Praxis umzusetzen.
Du hast Musik studiert und dich auch wissenschaftlich mit der Kulturarbeit im ländlichen Raum beschäftigt. Was hast du aus dieser Verbindung von Theorie und Praxis mitgenommen?
Durch mein Studium und meine praktische Arbeit habe ich gelernt, Kultur aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Es geht natürlich um künstlerische Qualität und kreative Ideen. Gleichzeitig braucht es Menschen, die sich engagieren, verlässliche Strukturen, gute Kooperationen und eine tragfähige Finanzierung. In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Erschließung ländlicher Kulturräume am Beispiel der Kulturlandschaft Kulmbachs beschäftigt und daraus einen Kulturentwicklungsplan für unsere Region erarbeitet. Die zentrale Erkenntnis für mich: Es gibt viele kreative Potenziale – entscheidend ist, wie wir sie miteinander verbinden und langfristig stärken.
Künftig willst du die Kulturentwicklung im gesamten Landkreis mitgestalten. Was reizt dich an dieser Aufgabe?
Genau diese Möglichkeit, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und Entwicklungen langfristig anzustoßen, finde ich besonders spannend. Im Landkreis gibt es eine große Vielfalt an Kulturschaffenden, Vereinen, Einrichtungen und Initiativen. Mein erster Schritt ist deshalb, möglichst viele von ihnen persönlich kennenzulernen, ihre Arbeit und ihre Anliegen zu verstehen und bestehende Kontakte zu stärken. Ich möchte nicht einfach etwas vorgeben, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort herausfinden, wo Chancen liegen, und welche Unterstützung gebraucht wird.
Du möchtest die Kulturszene stärker vernetzen. Was stellst du dir darunter konkret vor?
Mir ist wichtig, dass Kulturschaffende leichter miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Ideen entwickeln können. Dafür möchte ich mit dem KUlturforum eine Plattform schaffen, auf der regelmäßig aktuelle Themen diskutiert und Anliegen eingebracht werden können. Ergänzend kann ich mir praktische Hilfen für Vereine und Veranstalter vorstellen – beispielsweise verständliche Handreichungen zu wiederkehrenden Fragen der Kultur- und Vereinsarbeit. Oft lassen sich Herausforderungen gemeinsam einfacher lösen. Und manchmal entsteht aus einem guten Gespräch schon die nächste Idee für ein gemeinsames Projekt.
Ein besonderes Anliegen ist dir die kulturelle Bildung. Was möchtest du Kindern und Jugendlichen ermöglichen?
Kinder und Jugendliche sollen möglichst früh erleben können, wie spannend und vielseitig Kultur ist. Nicht jeder hat automatisch Zugang zu Musik, Theater oder anderen Kunstformen. Mit einem KinderKUltur-Programm möchte ich deshalb altersgerechte Angebote entwickeln, die Neugier wecken, eigene Erfahrungen ermöglichen und kulturelle Teilhabe erleichtern. Dabei geht es nicht nur darum, Kultur zu konsumieren, sondern sie auch selbst auszuprobieren und kreativ zu werden. Ich wünsche mir, dass junge Menschen entdecken, was in ihnen steckt – unabhängig davon, wo sie im Landkreis aufwachsen.
Kultur kann auch ein wichtiger Faktor für die Entwicklung einer Region sein. Du sprichst in diesem Zusammenhang von „KUltourismus“. Was steckt dahinter?
Kultur und Tourismus bieten viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu stärken. Im Landkreis gibt es interessante Veranstaltungsorte, engagierte Kulturschaffende und ein vielfältiges kulturelles Angebot. Diese Angebote möchte ich gemeinsam mit den Akteuren aus Kultur, Tourismus, Gastronomie und Hotellerie stärker bündeln und sichtbarer machen. Davon können sowohl die Menschen profitieren, die hier leben, als auch Gäste, die unsere Region besuchen. Mir geht es dabei nicht darum, unsere Traditionen zu ersetzen, sondern sie um neue Perspektiven zu ergänzen und zu zeigen, wie vielfältig Kulmbach und der Landkreis kulturell aufgestellt sind.
Auch ungewöhnliche Orte können Kultur erlebbar machen. Welche Möglichkeiten siehst du hier im Landkreis Kulmbach?
Ich finde es spannend, Kultur an Orten stattfinden zu lassen, die Menschen vielleicht zunächst mit etwas ganz anderem verbinden wie etwa einem ehemaligen Fabrikgelände oder dem Kirchenraum. Die Petrikirche bietet mit ihrer Architektur und Atmosphäre besondere Möglichkeiten, Musik, Kunst, Bildung und gesellschaftliche Themen miteinander zu verbinden. An der Organisation und technischen Leitung des Festivals „kultur P“ war ich 2026 bereits beteiligt. Daran möchte ich anknüpfen und gemeinsam mit den Beteiligten überlegen, wie sich das Format weiterentwickeln und für unterschiedliche Zielgruppen öffnen lässt. Gerade spartenübergreifende Ansätze können neue Zugänge schaffen und Menschen erreichen, die sich von konventionellen Kulturangeboten vielleicht weniger angesprochen fühlen.
Ein konkretes Vorhaben steht bereits im November an: „Erinnern. Mahnen. Hoffen.“ Welche Bedeutung hat diese Veranstaltung für dich?
Die Veranstaltung am 15. November 2026 in der Petrikirche Kulmbach steht im Zusammenhang mit dem Volkstrauertag und dem Gedenken an die Novemberpogrome von 1938. Sie soll Raum für Erinnerung, Auseinandersetzung und Besinnung schaffen. Kultur kann gerade bei solchen Themen einen wichtigen Beitrag leisten, weil sie Geschichte nicht nur vermittelt, sondern auch emotional erfahrbar macht und zum Nachdenken anregt. Mir ist wichtig, dass wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen und daraus Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft ableiten.
Wenn wir ein paar Jahre nach vorn blicken: Woran würdest du erkennen, dass deine Arbeit erfolgreich war?
Wenn die Kulturschaffenden im Landkreis noch besser miteinander vernetzt sind, neue Kooperationen entstehen und gute Ideen nicht an fehlenden Kontakten oder unnötigen Hürden scheitern, wäre schon viel erreicht. Ich wünsche mir außerdem, dass mehr Menschen die kulturelle Vielfalt unserer Region wahrnehmen und nutzen können – gerade auch Kinder und Jugendliche. Langfristig sollte Kultur als selbstverständlicher Bestandteil der regionalen Entwicklung verstanden werden. Erfolg bedeutet für mich deshalb nicht nur, möglichst viele Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, sondern tragfähige Strukturen zu schaffen, die auch in Zukunft etwas bewegen.
Und zum Schluss: Was möchtest du den Menschen im Landkreis mit auf den Weg geben?
Ich freue mich darauf, viele Menschen kennenzulernen, die sich mit Leidenschaft für die Kultur in unserer Region einsetzen. Dabei bin ich offen für neue Ideen, unterschiedliche Perspektiven und auch für ungewöhnliche Ansätze. Kultur lebt davon, dass Menschen sich einbringen und gemeinsam etwas gestalten. Deshalb mein Wunsch: Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen, Ideen teilen und die kulturelle Zukunft unseres Landkreises gemeinsam gestalten.
Kontakt:
Lukas Alois Roth
Sachgebiet Kreisentwicklung
Fachbereich Kultur
Telefon: +49 (0) 9221/707-159
E-Mail: roth.lukas@landkreis-kulmbach.de