Jugendstudie im Landkreis Kulmbach

Personengruppe
Übergabe der Studie, die den teilnehmenden Gemeinden wertvolle Impulse für die künftie Jugendarbeit liefert.

Wie leben Jugendliche im Landkreis Kulmbach? Welche Interessen haben sie, wie verbringen sie ihre Freizeit und wie bewerten sie ihren Wohnort? Antworten auf diese Fragen liefert eine aktuelle Studie der Universität Bayreuth, die im Auftrag des Kreisjugendring Kulmbach durchgeführt und über das Bundesprogramm Demokratie leben! gefördert wurde.

„Unsere Jugendarbeit braucht keinen Vergleich zu scheuen“, betont Landrat Klaus Peter Söllner. Die Studie zeige zugleich, wo bereits vieles gut funktioniere und an welchen Stellen es Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung gebe.

Fünf Gemeinden als repräsentativer Querschnitt

Für die Untersuchung wurden mit Kulmbach, Stadtsteinach, Marktleugast, Rugendorf und Himmelkron fünf Kommunen ausgewählt, die unterschiedliche Strukturen im Landkreis abbilden. Die Stadt Kulmbach steht dabei als zentraler Anlaufpunkt, Stadtsteinach für eine kleinere Stadt. Marktleugast repräsentiert eine eher abgelegene Marktgemeinde, Rugendorf ein kleines Dorf am Rand des Landkreises und Himmelkron eine Gemeinde mit starker Orientierung in Richtung Bayreuth.

Ziel der Studie war es, die Lebensrealitäten junger Menschen genauer zu betrachten und daraus sowohl allgemeine als auch kommunenspezifische Impulse für die zukünftige Jugendarbeit abzuleiten.

Zufriedenheit mit dem eigenen Wohnort

Ein wichtiges Ergebnis: Die Mehrheit der befragten Jugendlichen fühlt sich in ihrem Wohnort wohl. Besonders positiv bewertet werden eine gute Nachbarschaft, die Nähe zur Natur, Sauberkeit sowie kurze Wege zu Schule, Ausbildung oder Arbeitsplatz.

Kritischer fällt dagegen die Bewertung des öffentlichen Nahverkehrs aus – insbesondere an den Wochenenden. Der Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider brachte dies bei der Vorstellung der Ergebnisse mit einem augenzwinkernden Vergleich auf den Punkt: Man sei teilweise schneller mit dem Fernbus in Berlin oder München als mit der Bahn in der nächsten Stadt. Viele junge Menschen versuchen daher möglichst früh, selbst mobil zu werden – etwa mit Moped oder Auto.

Freizeit zunehmend digital

Die Studie zeigt außerdem, dass ein großer Teil der Freizeit digital geprägt ist. „Täglich mit dem Handy auf Social Media unterwegs sein“ steht klar auf Platz eins der Freizeitaktivitäten. Über diese Kanäle informieren sich viele Jugendliche über aktuelle Themen – überraschenderweise spielt aber auch die Tageszeitung weiterhin eine Rolle.

Gleichzeitig verbringen viele Jugendliche ihre freie Zeit häufig zuhause. Laut Studienautor Gebauer könnten hier auch Nachwirkungen der Corona-Pandemie sichtbar werden, als digitale Kontakte stark zunahmen und persönliche Treffen kaum möglich waren.

Treffen mit Freunden sowie Aktivitäten draußen in der Natur gehören zwar weiterhin zu den wichtigsten Beschäftigungen – oft allerdings begleitet vom Smartphone.

Unterschiedliche Bewertungen der Freizeitangebote

Auffällig ist laut Studie ein gewisser Widerspruch: Viele Jugendliche verbringen ihre Freizeit gerne im eigenen Wohnort, gleichzeitig werden die Freizeitmöglichkeiten vor Ort teilweise als begrenzt eingeschätzt.

Während die Zufriedenheit mit der Freizeitgestaltung in Rugendorf besonders hoch ausfällt, zeigen Stadtsteinach und Marktleugast eine eher kritischere Bewertung.

Starkes Engagement in Vereinen

Ein positives Signal liefert die Untersuchung beim Thema Vereinsleben: Rund zwei Drittel der Befragten sind in einem Verein, Verband oder einer Gruppe aktiv. 38 Prozent gaben an, nicht organisiert zu sein. Insgesamt zeigt sich damit eine vergleichsweise hohe Beteiligung junger Menschen am gesellschaftlichen Leben im Landkreis.

Die detaillierten Ergebnisse wurden den beteiligten Kommunen aufgeschlüsselt zur Verfügung gestellt. Sie können diese nun nutzen, um ihre Angebote für Kinder und Jugendliche gezielt weiterzuentwickeln.

Grundlage für zukünftige Projekte

Michael Schramm betonte, dass die Studie auch auf Erfahrungen aus mehreren Zukunftswerkstätten mit Jugendlichen im Landkreis aufbaut. Diese Beteiligungsformate hätten wichtige Anregungen geliefert.

Landrat Söllner verwies zudem auf bestehende Angebote für junge Menschen im Landkreis – etwa das Family-Fun-Fest, das als größte Veranstaltung dieser Art in Oberfranken gilt.

Die Ergebnisse der Studie sollen nun dazu beitragen, die Jugendarbeit im Landkreis Kulmbach weiter zu stärken und noch stärker an den Bedürfnissen junger Menschen auszurichten.

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