Geschichte(n) vor der Haustür

Fünfte Ausgabe der Zeitschrift „Thurnauer Land“ erschienen - Neue Einblicke in die Siedlungsgeschichte, höfische Tanzkultur und architektonischen Schätze der ehemaligen Herrschaft Thurnau
Geschichte, die direkt vor der eigenen Haustür liegt: Mit der fünften Ausgabe der heimatkundlichen Schriftenreihe „Thurnauer Land“ lädt der Landkreis Kulmbach erneut dazu ein, die Vergangenheit der Region aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken. Das neue Heft widmet sich der facettenreichen Geschichte des Gebiets der ehemaligen Herrschaft Thurnau und verbindet wissenschaftlich fundierte Beiträge mit anschaulich aufbereiteten historischen Themen.
Herausgeber der im Eigenverlag erscheinenden Schriftenreihe ist der Landkreis Kulmbach. Die redaktionelle Verantwortung liegt erneut bei Kreisheimat- und Archivpfleger Harald Stark. Gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren ist ein Band entstanden, der historische Quellen, wissenschaftliche Erkenntnisse und regionale Besonderheiten miteinander verbindet.
Landrat Jonas Gleich betont die Bedeutung der Reihe für die regionale Erinnerungskultur: „Auch Band 5 wird mit den Beiträgen versierter Autorinnen und Autoren den reichen Wissensschatz rund um die Region Thurnau erweitern und vertiefen.“ Die Schriftenreihe habe sich inzwischen zu einem anerkannten Bestandteil der heimatgeschichtlichen Dokumentation im Landkreis Kulmbach entwickelt.
Auf den Spuren früher Siedlungen und historischer Fernstraßen
Den Auftakt der neuen Ausgabe bildet eine Untersuchung des Historikers Dr. Ruprecht Konrad zum Raum zwischen Altenhollfeld, Trumsdorf, Alladorf und Lochau. Im Mittelpunkt stehen die Siedlungs- und Herrschaftsstrukturen auf der nördlichen Frankenalb.
Der Beitrag führt zurück in das Frühmittelalter und beleuchtet unter anderem die sogenannten Walpoten-Burgen, historische Fernstraßen wie den „Judenweg“ sowie slawisch-fränkische Reihengräber. Auch längst aufgegebene und heute kaum noch erkennbare Siedlungen werden in den Blick genommen. So entsteht ein Eindruck davon, wie sich die Region über Jahrhunderte hinweg entwickelt und verändert hat.
Eine Momentaufnahme aus dem Jahr 1796
Einen besonderen Einblick in die Lebensverhältnisse vergangener Zeiten ermöglicht der Abdruck einer historischen Quelle aus dem Jahr 1796. Der „Versuch einer historischen Beschreibung der Herrschaften Thurnau und Buchau“ vermittelt unmittelbare Eindrücke aus der damaligen Zeit.
Die historische Beschreibung gibt unter anderem Auskunft über das Finanzwesen und das damalige Schulsystem. Auch das Thurnauer Lyceum wird thematisiert. Darüber hinaus finden sich darin Regelungen, die heute ungewöhnlich oder sogar kurios erscheinen mögen – etwa polizeiliche Vorschriften zur damaligen „Steuerung des Bettelwesens“.
Die Quelle macht damit nicht nur politische und gesellschaftliche Strukturen sichtbar, sondern erlaubt auch einen unmittelbaren Blick auf den Alltag und die Herausforderungen der Menschen vor mehr als 200 Jahren.
Wenn historische Quellen wieder zum Tanzen bringen
Dass Regionalgeschichte nicht allein aus alten Dokumenten und Archivalien besteht, zeigt der Beitrag von Dr. Silvia Bier vom Thurnauer Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth.
Sie beschäftigt sich mit der Entschlüsselung des historischen „Thurnauer Tanzbuchs“. Was zunächst wie eine Sammlung alter Notationen auf Papier erscheint, wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen und kulturellen Projekts wieder zum Leben erweckt. Historische Tänze wurden rekonstruiert und als soziale Praxis erfahrbar gemacht.
Höhepunkt dieses Projekts war der „Thurnauer Tanzboden“, ein historischer Ball im originalen Ahnensaal des Thurnauer Schlosses. Damit wurde Geschichte nicht nur erforscht, sondern buchstäblich wieder auf die Tanzfläche gebracht.
Historische Bauwerke, Tanzlinden und kostbare Handschriften
Weitere Beiträge widmen sich besonderen kulturellen und baulichen Zeugnissen der Region.
Eine Dokumentation beschäftigt sich mit dem „Weinhöflein“ und dem „Gotischen Gang“ im Unteren Schlosshof von Thurnau. Im Mittelpunkt stehen die jüngsten Sanierungsarbeiten und die detailgetreue historische Rekonstruktion dieser architektonischen Besonderheiten.
Ein Beitrag widmet sich den Tanzlinden, Holzkonstruktionen und Bräuchen der Region. Die Tanzlinden in Peesten und Limmersdorf sind ein außergewöhnliches Zeugnis regionaler Kulturgeschichte. Bis heute sind sie eng mit lebendigen Kirchweihtraditionen verbunden und machen eine jahrhundertealte Form des gemeinschaftlichen Brauchtums erlebbar.
Auch eine wertvolle historische Quelle findet ihren Platz im neuen Heft: Die Leublfing-Handschrift aus dem Jahr 1617 wird näher untersucht. Das Dokument stammt aus den Beständen der historischen Bibliotheca Giechiana und eröffnet einen weiteren Zugang zur Geschichte der Region und ihrer überlieferten Wissensbestände.
Regionalgeschichte zum Nachlesen
Mit zahlreichen historischen Abbildungen, Karten und aktuellen Fotografien bietet die fünfte Ausgabe von „Thurnauer Land“ nicht nur umfangreiche Informationen, sondern macht die Geschichte der Region auch visuell erlebbar.
Das Heft erscheint in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren und ist ab sofort zum Preis von 12,50 Euro erhältlich.
„Thurnauer Land“, Heft 5, 2026
Herausgeber: Landkreis Kulmbach
Redaktion, Layout und Koordination: Harald Stark
Bezug:
Buchhandlung Häußinger
Mittlerer Markt 1
95349 Thurnau
Telefon: 09228/382
Die Buchhandlung Häußinger nimmt auch Bestellungen von außerhalb entgegen.
Mit der neuen Ausgabe setzt der Landkreis Kulmbach die heimatkundliche Schriftenreihe fort und trägt dazu bei, historische Quellen, regionale Besonderheiten und überliefertes Wissen für heutige und kommende Generationen zugänglich zu machen.