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1. Zukunftsforum eMobility Oberfranken im Energiepark Rugendorf ein großer Erfolg

Ein großer Erfolg war das „1. Zukunftsforum eMobility Oberfranken“, das am Donnerstag, 18. Juni 2015, im Energiepark Rugendorf stattfand. Mehr als 150 Repräsentanten der Wirtschaft, der Kommunen, der Behörden, der Banken, der Vereine und Verbände sowie interessierte Privatpersonen konnte Landrat Klaus Peter Söllner begrüßen. In Kooperation mit C.A.R.M.E.N. e.V., der Energieagentur Nordbayern, der IHK für Oberfranken Bayreuth, der Verkehrsakademie in Kulmbach, der Sparkasse Kulmbach-Kronach und der Fa. Münch Energie organisierte der Landkreis Kulmbach das Zukunftsforum zur E-Mobilität.

Die Vorträge der Referenten können Sie hier nachlesen (alle Dateien PDF):

Pressebericht 18.06.2015

Autor: Stephan Herbert Fuchs

1. Zukunftsforum eMobility Oberfranken im Energiepark Rugendorf

Strom geben statt Gasfuß / 1. Zukunftsforum E-Mobility soll Unternehmer und Privatleute für Elektroautos begeistern – Flächendeckendes Netz an Ladesäulen lässt noch auf sich warten

Rugendorf. Es ist die klassische Henne-Ei-Problematik: Müssen zuerst genügend Elektroautos da sein, damit es auch genügend Ladestationen gibt, oder braucht es zunächst eine ausreichende Zahl an Ladestationen, damit es genügend Elektroautos gibt? Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken sprach mit dieser Frage beim 1. Zukunftsforum E-Mobility im Energiepark Münch in Rugendorf die zentrale Problematik an. An ihr könnte das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, nach dem bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen sollen, noch scheitern.

Vorteile gäbe es genug. Zum Beispiel, dass jeder Fahrer eines Elektromobils seine Tankfüllung schon bald gratis bekommen könnte, bei Aldi etwa während des Einkaufs oder auch bei Ikea. „Sie verschenken den Sprit natürlich nicht aus christlicher Nächstenliebe“, so Mario Münch, Geschäftsführer und Gründer von Münch-Energie. Kunden möchten die Unternehmen damit anlocken. Strom für 100 Kilometer in 30 Minuten während des Einkaufs, das gebe es jedenfalls bei Amazon nicht.

Überhaupt sieht Münch in der Elektro-Mobilität einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel: „Fortbewegung wird zum Nebenprodukt“. Das Auto könnte auch zur rollenden Batterie werden, indem es entweder (natürlich regenerativen) Strom tankt oder Strom abgibt, während der Zeit, in der es herumsteht und das sind rund 90 Prozent des Tages.

Die Zahlensprechen eine ganz andere Sprache, als das Ziel der Regierung: 740000 Elektrofahrzeuge gebe es derzeit, allerdings weltweit, so Hubert Maierhofer vom zentralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energienetzwerk in Straubing. 30000 davon in Deutschland, immerhin 240000 in den USA und 43000 in Norwegen. Leider ist das Laden im öffentlichen Raum nur begrenzt möglich, räumte Maierhofer ein. Steckeranschlüsse und Ladekarten, das alles müsse noch irgendwie zusammenpassen. Und auch der Preis schreckt letztlich noch ab: 12000 Euro kostet im Schnitt der VW Up als Benziner, 26000 Euro als Elektroauto. Um die Elektromobilität wirklich voranzubringen fordert Maierhofer zwei Dinge von der Politik: sie sollte zum eine flächendeckende öffentliche Ladeinfrastruktur für jedermann voranbringen und zweitens steuerlich das Dienstwagenprivileg zu Gunsten eines Elektromobilitätsprivilegs abschaffen
Ähnliche Erfahrungen wie Maierhofer hatte auch Günther Neuberger von der Regierung von Oberfranken gemacht. Er kritisierte vor allem die vielen Falschparker, die E-Ladesäulen in den Parkhäusern blockieren. Auch er sprach von einem Teufelskreis: „Wegen des zu geringen Angebots an Ladesäulen gebe es zu wenig Elektroautos und wegen der geringen Anzahl an Elektroautos gebe es zu wenig Ladesäulen.“ Doch das soll sich ändern. Gemeinden hätten die Möglichkeit mit Hilfe von Städtebaufördermitteln Ladestationen zu errichten, bei öffentlichen Standorten sogar mit bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Gesetzgeber argumentiere dabei vor allem mit einer Steigerung der Lebensqualität durch weniger Feinstaub-, Abgas- und Lärmemissionen.

Markus Ruckdeschel ist sich dennoch sicher, dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird. „Allein die Energiewende wird dafür sorgen, dass die E-Mobilität kommt“, so Ruckdeschel. Vorerst aber gebe es noch unheimlich viele Barrieren in den Köpfen. Diese zu beseitigen könnten die Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen. „E-Mobilität soll auch im Fuhrpark zünden“, forderte IHK-Vizepräsident Michael Möschl von der Verkehrsakademie. E-Mobilität sei definitiv kein Flop, trotzdem gebe es bis heute kein E-Mobilitätskonzept, das für Unternehmen wirkliche Anreize zum Umstieg bringt. Möschel forderte deshalb, die Besteuerung privater Kfz bei E-Autos komplett auszusetzen.

Besitzer und Fahrer von Elektroautos kommen jedenfalls regelmäßig ins Schwärmen. Von einem ganz anderen Fahrgefühl ist die Rede, vom Stromgeben statt vom Gasfuß, die ausbleibenden Motorgeräusche irritierten anfangs noch und die ruckfreie Beschleunigung überzeugt. Im Landkreis Kulmbach scheint man dies längst erkannt zu haben, denn laut Landrat Klaus Peter Söllner liegt der Landkreis mit seinem Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen gemessen am gesamten Fahrzeugbestand Oberfrankens über dem Durchschnitt des Regierungsbezirks.

Die absoluten Zahlen seien natürlich sehr gering. Ruckdeschel zufolge gibt es in Oberfranken aktuell 239 Elektroautos und 1127 Hybrid-Pkw. Bei den reinen Elektrofahrzeugen habe der Landkreis Bamberg mit 59 Autos die Nase vorn, bei Elektro und Hybrid zusammen steht der Landkreis Forchheim mit 188 an der Spitze.
Stephan Herbert Fuchs

Die Bilder zeigen (in Reihenfolge von oben, alle Fotos: Stephan Herbert Fuchs):

  • IHK-Vizepräsident Michael Möschel, Landrat Klaus Peter Söllner und die Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger vom Landratsamt besichtigten den elektrobetriebenen S-Klassen Tesla des Energieunternehmers Mario Münch (von links).
  • „Allein die Energiewende wird dafür sorgen, dass die E-Mobilität kommt“: Markus Ruckdeschel von der Energieagentur für Oberfranken.
  • „Viele Falschparker blockieren die E-Ladesäulen“: Günther Neuberger von der Regierung von Oberfranken.
  • „Fortbewegung wird zum Nebenprodukt“: Unternehmer Mario Münch.
  • „E-Mobilität ist definitiv kein Flop“: IHK-Vizepräsident Michael Möschel von der Verkehrsakademie
  • „Leider ist das Laden im öffentlichen Raum nur begrenzt möglich“: Hubert Maierhofer vom zentralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energienetzwerk in Straubing