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Landkreis Kulmbach Aktuell

Auszeichnung „Weißer Engel“ in Bayern/Oberfranken

Die Auszeichnung "Weißer Engel" wird an beispielgebende Personen verliehen, die sich langjährig und regelmäßig im Gesundheits- und/oder Pflegebereich ehrenamtlich engagiert haben. Im Bereich der Pflege verleiht das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die Auszeichnung „Weißer Engel“ insbesondere an Personen, die sich durch vorbildhafte häusliche Pflege verdient gemacht haben. Höchstens 70 Personen werden jährlich für ihr ehrenamtliches Engagement mit dem „Weißen Engel“ ausgezeichnet.

Folgende verdiente Personen in Oberfranken/im Landkreis Kulmbach wurden am 29. November 2018 mit dem „Weißen Engel“ geehrt:

Irene Potempka: Frau Potempkas Familie musste im Jahr 1995 einen schweren Schicksalsschlag verkraften, als ihr Sohn bei einem Autounfall ein Schädelhirntrauma erlitt. Ein halbes Jahr lang lag er im Koma. Sie und ihr Mann Joachim kümmern sich seither mit ganzem Herzen um ihren Sohn und unterstützen ihn in jeder Beziehung. Sie hat sogar ihren Beruf aufgegeben, um ihn bei allen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten zu begleiten. Dank ihrer liebevollen und gezielten Rehabilitation ist es Bastian gelungen, sich vom Rollstuhl zu lösen und sich trotz verbliebener Einschränkungen zurück ins Leben zu kämpfen.

Über die Bewältigung ihres eigenen familiären Schicksals hinaus engagiert sie sich als Vorsitzende und Hauptorganisatorin der von ihr im Jahr 2001 gegründeten „Selbsthilfegruppe Kulmbach des Vereins Schädel-Hirnpatienten in Not“, und zwar in der Regionalen Verbandsgruppe Bayreuth/Kulmbach/Kronach. Denn ihr war es ein wichtiges Anliegen, sich auch für andere Betroffene stark zu machen. Sie hat in der Zeit nach dem Autounfall ihres Sohnes selbst festgestellt, dass es in der Region praktisch keine Adressen oder Anlaufstellen für Schädel-Hirnpatienten gab – geschweige denn Unterstützungsmöglichkeiten für die Angehörigen. Das hat sie dazu veranlasst, eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Heute finden Betroffene bei ihr Halt und Hilfe. Sie beginnt ihre ehrenamtliche Tätigkeit schon beim Auffangen der Betroffenen, zum Beispiel nach einem Unfall. Sie hilft den Menschen und Angehörigen mit Informationen über stationäre Versorgung, Physiotherapie und technische Hilfen. Aber vor allem gibt sie den Betroffenen Mut und Hoffnung während des langen Rehabilitationsprozesses.

Alle zwei Monate findet die Selbsthilfegruppe im großen Kreis für die Betroffenen und ihre Angehörigen statt. Dazwischen gibt es noch einen kleinen Kreis, mit dem sie sich hin und wieder zum Frühstück und zum Kaffee trifft. Sie verbringen Zeit miteinander, reden und essen gemeinsam und tauschen sich über Neuigkeiten aus. Die Mitglieder kommen nicht nur aus dem Kulmbacher Raum zu ihr. Selbst aus Wunsiedel, Kronach, Lauf, Bamberg, Nürnberg und sogar aus Thüringen treffen Menschen ein, die Hilfe bei ihr suchen und auch finden.

Zusätzlich verbringt sie abends stundenlang am Telefon und ist so jederzeit für ihre Schützlinge erreichbar. Sie spricht den Betroffenen, aber auch den Angehörigen unglaublich viel Mut zu. „Wenn Zuversicht die Ängste besiegt, werden wir staunen, wie viele Situationen wir meistern können“. Das ist der Leitspruch ihrer Selbsthilfeorganisation.

Über die Jahre hinweg sind viele Freundschaften entstanden, die in schwierigen Zeiten über Nöte, Probleme und Rückschläge hinweghelfen. Und das ist ihr und ihrem herausragenden Helfergeist zu verdanken!

Gudrun Sandler: Frau Sandler hat im Jahr 2005 die Regionalgruppe Kulmbach/Bayreuth des Arbeitskreises der Pankreatektomierten gegründet und leitetdie Regionalgruppe bis heute. Ihre Selbsthilfeorganisation betreut Patienten, deren Bauchspeicheldrüse aufgrund einer Tumorerkrankung entfernt wurde. Rund 1.500 Mitglieder sind in den bundesweit 60 Regionalgruppen organisiert.

Die Entfernung der Bauchspeicheldrüse hat erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben der Betroffenen. Sie kennt den langen Leidensweg der Gruppenmitglieder aus eigener Erfahrung. Daher ist sie eine wertvolle Stütze für die Mitglieder der Regionalgruppe Kulmbach/Bayreuth. Sie zeigt den Betroffenen, wie man mit der Krankheit leben und passende Hilfsmöglichkeiten finden kann. Die regelmäßigen Gruppentreffen sind wichtig für einen Austausch untereinander und das Gefühl, nicht allein mit der Krankheit zu sein.

Doch es sind nicht nur die Gruppentreffen. Sie ist auch telefonisch jederzeit für die Betroffenen da und spricht lange mit ihnen. Sogar private Besuche zu Hause oder im Krankenhaus unternimmt sie regelmäßig, um den Menschen Halt zu geben. Darüber hinaus betreut sie an Informationstagen für Krebspatienten den Infostand der Regionalgruppe. Sie klärt über ihre Tätigkeit und den Zweck der Gruppe auf und erläutert die mögliche Bewältigung der schwierigen Lebenssituationen, die sich durch die Krankheit ergeben. Die gleiche Aufgabe übernimmt sie auch in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Bayreuth, wenn dort Infoveranstaltungen stattfinden.

Große Resonanz fand im November 2017 ein Benefizkonzert mit dem Musikverein Marktleugast in der St. Hedwig-Kirche Kulmbach anlässlich des Welt-Pankreaskrebs-Tages. Vorbildlich konnte sie für die segensreiche Arbeit der Regionalgruppe finanzielle Unterstützung erwerben. Außerdem hat sie in der Öffentlichkeit auf die schwierige Lebenssituation der Betroffenen aufmerksam gemacht. Neben dem attraktiven musikalischen Programm gab es an diesem Abend auch grundlegende Informationen zur Arbeit der Selbsthilfegruppe und ausreichend Raum für Begegnungen.

Trotz ihrer eigenen schweren Erkrankung hat sie Kräfte mobilisiert, um anderen zu helfen. Das ist sehr beeindruckend.