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Landkreis Kulmbach Aktuell

Wenn der "Baby-Blues" nicht weggeht - Peripartale psychische Erkrankungen waren Thema im "Netzwerk frühe Kindheit"

Eine zunehmende Wahrnehmung von psychischen Erkrankungen rund um die Geburt veranlasste die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) im Landratsamt Kulmbach unter Federführung von Monika Cosma und Kerstin Ziegler, am Runden Tisch im "Netzwerk frühe Kindheit" das Thema "Peripartale psychische Erkrankungen und wie man sie erkennen, behandeln und sogar verhindern kann" zu thematisieren.

Die Zeit der Schwangerschaft und der Phase nach der Geburt wird als peripartale Zeit bezeichnet, in der etwa jede fünfte Mutter an einer psychischen Erkrankung leidet. Diese peripartalen Depressionen, Angststörungen oder Psychosen sind nicht nur eine schwere Belastung für die Frauen, sie können auch erhebliche Konsequenzen für das ganze Familiensystem haben. Emotionale, soziale und kognitive Entwicklungsstörungen beim Kind sind mit erhöhter Wahrscheinlichkeit gegeben. Der sogenannte „Baby-Blues“ ist die bekannteste und häufigste Krise nach der Geburt, hormonell bedingt, betrifft nur die Mütter und verschwindet glücklicherweise von selbst genauso schnell, wie er gekommen ist. Dauern die Symptome allerdings länger als eine Woche an, kann dies der Beginn einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung sein.

Dr. med. Susanne Simen, Leiterin der Mutter-Kind-Tagesklinik und -Ambulanz des Klinikums Nürnberg referierte vor den rund 40 Fachkräften aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Gesundheitshilfe, Fachärzteschaft, Psychologischen Beratungsstellen, der Polizei u. a. zum Thema. Sie betonte, dass die alleinige Behandlung der Mutter zu kurz greife, da immer auch die Mutter-Kind-Beziehung im Blick behalten werden müsse. Die Interaktion mit dem Kind sei sehr bedeutend, um Entwicklungsstörungen zu verhindern. Zusätzlich sollten auch Väter angesichts der belasteten Situation mit in die Behandlung einbezogen werden und Hilfe in Anspruch nehmen, da laut aktuellen Studien rund 25 Prozent der Männer ebenfalls psychisch erkranken, wenn ihre Partnerin erkrankt. Peripartale Depressionen treten häufig auf, sind aber psychotherapeutisch sowie medikamentös gut therapierbar. Ein Depressionsscreening sollte in der gynäkologischen Schwangerschaftsvorsorge und in der Nachsorge durch Hebammen Standard sein. Der Ausbau ambulanter wie stationärer psychotherapeutischer und psychiatrischer Angebote für Betroffene wäre notwendig. Neben einer ähnlichen Einrichtung in Erlangen ist die Mutter-Kind-Tagesklinik und -Ambulanz Nürnberg die einzige Klinik ihrer Art in Nordbayern.

Bei der Arbeit mit jungen Familien kann jede Fachkraft immer wieder mit derartigen Lebenslagen in Kontakt kommen. Hier bietet die interdisziplinäre Netzwerkarbeit der örtlichen Fachkräfte dem Bun-deskinderschutzgesetz entsprechend eine frühe Unterstützung, da Ressourcen fachübergreifend genutzt werden und durch präventive Maßnahmen ungünstigen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann.

Beratungs- und Hilfsangebote für betroffene Frauen, Angehörige und Fachkräfte:

Die KoKi-Stelle im Landratsamt Kulmbach hilft unter Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation bei allen Fragen rund um Schwangerschaft und frühe Kindheit und findet mit Ihnen die passenden Hilfen und Unterstützungsangebote.

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