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Landkreis Kulmbach Aktuell

Die Schönheit der Natur schätzen lernen - Exkursion rund um Menchau

Fast eine ganze Fläche abgeholzt. Bis auf wenige Reste alle Bäume entfernt. Die über 30 Teilnehmer einer Exkursion rund um Menchau bei Thurnau staunten nicht schlecht, als sie zum Rand des Ordenbrunns kamen. Nun aber der Reihe nach: pünktlich zum Start des naturkundlichen Spaziergangs organisiert von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kulmbach (UNB) brach die Sonne durch die Wolken. Als wollte sie dieses Vorhaben unterstützen.

Und so startete am Freitagnachmittag (10.05.2019) die Gruppe Naturinteressierter unter Führung von Dr. Martin Feulner, Botaniker, und Dr. Kristina Schröter von der UNB zu ihrer kleinen Wanderung, welche den Wechsel der Vegetation auf kleinstem Raum kaum deutlicher zeigen kann. Zunächst ging es über den Aubach im kühleren, nährstoffreicheren Tal mit seiner typischen Vegetation. Hierzu zählen die nach Vanille duftende Mondviole oder der gerade zierlich weiß blühende Waldmeister. Feulner erläuterte, wie die sogenannten Kalktuffmoose im Laufe der Jahre Kalk aus dem Wasser ausscheiden und so die für den Aubach typischen Sinterterrassen aufbauen. Weiter am Anstieg zum Ordenbrunn erzählte Hermann Kraus, Ortssprecher in Menchau, von den verschiedensten Wegen, die früher hinaufführten, vom alten Kalkbrennofen und der Bedeutung dieses Bereichs für die ganze Ortschaft.

Und nun der Blick auf die oben genannte „Katastrophe“. Eine ganze Fläche junger Bäume abgeholzt. Und das soll Naturschutz sein? Ja, erklärten die Biologinnen Dr. Karin Meißner, ebenfalls UNB, und Dr. Schröter. Diese Maßnahme war notwendig, da die Bäume den letzten Rest der durch Beweidung entstandenen Kalkmagerrasen langsam aber sicher überwachsen hätten. Diese Wacholderheiden entstanden in der Fränkischen Linie durch jahrhundertelange Weidewirtschaft, sind aber heute selten geworden. Sie bieten einer Vielzahl von spezialisierten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Die nördliche Frankenalb zählt deshalb zu einem der 30 wichtigsten „Biodiversitätshotspots“ Deutschlands. So erstaunte es den ein oder anderen Besucher doch, dass auch hier bei uns der aus dem Mittelmeerraum stammende Thymian auf diesen Standorten heimisch geworden ist. Ein Meer aus Schlüsselblumen und Waldanemone, letztere intensiv nach Honig duftend, sind die ersten Vorboten einer im Laufe des Sommers von unzähligen, auch seltenen Pflanzenarten geprägten Blumenwiese. Diese sind wiederum Grundlage für viele seltene Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten wie der insektenkundige Jürgen Beck aus Thurnau erläuterte. So erklärte er den faszinierenden Lebenszyklus eines Ameisenbläulings, der ganz normal wie andere Raupen zunächst an Pflanzen frisst, je nach Schmetterling meist nur an einer Pflanzenart, um sich dann fallen zu lassen und von Ameisen in ihren Bau getragen zu werden, um dort seinen Lebenszyklus auf Kosten seines Wirts zu beenden. Im Frühjahr fliegt der fertige Schmetterling aus.

Revierförster Fabian Kowollik und Schröter erläuterten die Notwendigkeit, Robinien durch Ringeln bis ins Hartholz absterben zu lassen. So soll einem unkontrollierten Ausbreiten über Wurzelbrut sowie einer Anreicherung des Bodens mit Stickstoff vorgebeugt werden. Neben dieser fremden Baumart sind durch die in Teilen ehemalige Gartennutzung des Geländes weitere fremde Arten eingeschleppt worden. Diese werden nun nach und nach, auch mit Hilfe der neuen Eigentümer des Wohnhauses am Ordenbrunn, zurückgedrängt.

Nach Jahren wurde nun im letzten Herbst auch die Beweidung und Pflege durch einen jungen Schäfer aus Alladorf wieder aufgenommen. So ziehen hier alle, Anwohner, Behörden und Marktgemeinde, an einem Strang, um dieses Kleinod zu erhalten.

Das Highlight auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt war ein Innehalten an der Aubachquelle. Hier verlas eine gebürtige Menchauerin das Gedicht „Quellen-Fürbitte“, welches passender nicht hätte sein können und die Reinigung der Quelle von Unrat anmahnt. Dieses hatte jedoch ihr Großvater bereits 1938 verfasst. Damals wie heute gilt: Gehen Sie mit offenen Augen durch unsere wunderschöne Natur – Gelegenheit hierfür gibt es bei vielen weiteren BayernTourNatur Exkursionen (Informationsheft im Landratsamt erhältlich oder Termine auch auf der Homepage www.tournatur.bayern.de/).

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